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Partnerschaft nach der Deutschen Wiedervereinigung

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Wladimir Grinin 2

Wladimir Michailowitsch Grinin

 
Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter
der Russischen Föderation [seit 2010]
 
Mail: info@russische-botschaft.de
 
Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin

Über 20 Jahre sind es nun her, seit das russische Volk diese Entscheidung getroffen hat. Der Geist der Erneuerung und des Wandels – wind of change – wehte damals nicht nur in meinem Land, sondern auch hier, im noch geteilten Herzen Europas, das zusammenwachsen musste. Ich werde kaum gegen die Wahrheit verstoßen, indem ich sage, dass Russland bzw. die damalige Sowjetunion die entscheidende Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung gespielt hat.
 
Wenn es um dieses Kapitel unserer Geschichte geht, wird häufig ein wichtiger Punkt ausgeklammert. Die Überwindung der deutschen Teilung verursachte gleichzeitig in bedeutendem Maße das Ende des Kalten Kriegs. Das setzte nicht nur gigantische Energien, sondern auch Mittel für friedliche Zwecke frei. Nehmen wir an, das wäre so nicht der Fall gewesen. Hätte man dann der ostdeutschen Wirtschaft solch immense finanzielle Geldspritzen praktisch folgenlos für die Staatsfinanzen verpassen können? Interessant ist auch, dass durch diese geopolitische Wende Dreiviertel der Bevölkerung im wiedervereinigten Deutschland geradezu über Nacht von der Konfrontation hin zu der Zusammenarbeit mit Russland umgekehrt wurden.
Eine große Frage bleibt dabei, ob und inwiefern diese Umkehr auch in den Köpfen der Deutschen stattgefunden hat.
Verspürt man heute hier in Deutschland das Bedürfnis nach einer solchen Kooperation und Annäherung?
 
Diese Fragestellungen sind heute durchaus gerechtfertigt. Denn auf einmal hat man hierzulande aufgehört, über die Partnerschaft mit Russland und deren Nutzen für Deutschland zu sprechen. Was ist denn passiert? Ist das nur ein Kurzschluss? Oder hat es etwas substanzielleres in sich?
Sie werden mich an dieser Stelle fragen wollen, was man aber in Russland über die Zukunft der russisch-deutschen Beziehungen denke. Ich sage Ihnen, die wohlwollende Stimmung gegenüber einer Kooperation mit Ihrem Land hat sich in letzter Zeit kontinuierlich bergauf entwickelt. Maßgeblich gefördert wurde sie durch die Versöhnungsstrategie, die auf beiden Seiten verfolgt wurde. Auf deutscher Seite zeigte sie sich in vorbildlicher Weise in der Pflege und Instandhaltung zahlloser Grabstätten der Kriegsopfer, in dem Bekenntnis zur historischen Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus.
 
„Versöhnung über den Gräbern – Für den Frieden gegen das Vergessen" – das ist das Leitbild unseres aller Tuns geworden.
 
 
In den vergangenen 20 Jahren konnten wir eine Kooperationsebene erreichen, auf der wir uns als Partner, ja strategische Partner bezeichnen. Eine Modernisierungspartnerschaft wurde vorbereitet und formalisiert. Sie ist uns ein wichtiges Mittel, die Modernisierungsvorhaben in unserer Wirtschaft und Gesellschaft in die Tat umzusetzen.
 
Glauben Sie nur nicht, dass Russland eher von dieser Zusammenarbeit profitiert als Deutschland. Darauf sollte man nicht spekulieren. Dies ist eine Wechselwirkung, die im beiderseitigen Interesse liegt. Deutschland steckt heute in einer Krise, wie übrigens die ganze EU.
 
Man versucht hierzulande, aus dieser herauszutappen, indem man die Schuldenkontrolle, die Haushaltskonsolidierung und die Finanzdisziplin EU-weit ins Auge gefasst hat. Doch die ganze Mühe wird im Sande verlaufen, wenn das Wirtschaftswachstum nicht gewährleistet ist. Als ein exportorientiertes Land sollte Deutschland verstehen, dass der russische Markt in diesem Sinne einzigartige Chancen in sich birgt – und das sowohl für den Export als auch für die Investitionen, die übrigens manchmal versichert werden müssen.
Wir bieten uns als Partner an. Und diese Partnerschaft ist in unseren Augen einer der zuverlässigsten Wege, unsere und Ihre Schwierigkeiten gemeinsam in den Griff zu bekommen. Diese Partnerschaft geht weit über die von mir angesprochene Krise hinaus. Schauen Sie sich um. Weltweit erleben wir die fulminante Entwicklung neuer politischer und wirtschaftlicher Machtzentren. Glaubt denn jemand im Ernst, dass wir uns im Konkurrenzkampf mit ihnen auf eigene Faust werden durchsetzen können? Wäre es nicht besser, unsere Bemühungen und Ressourcen zu bündeln und zielgenau zu handeln? Oder wenigstens mit mehr Erfolgschancen? Kann man denn im Alleingang dem Terrorismus begegnen, den Naturkatastrophen entgegenwirken und andere heraufziehende Herausforderungen bewältigen?
 
Deshalb sage ich – rückblickend auf die seit der deutschen Wiedervereinigung verstrichenen über 20 Jahre: Es ist das Leben, das Russen und Deutsche wieder dazu anhält, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen und diesen Hand in Hand zu beschreiten. Auf diesem Wege sind ausufernde Emotionen und Phantastereien schlechte Ratgeber. Nichts darf unsere Aussichten und unseren Verstand vernebeln.
 
Abschließend komme ich nicht daran vorbei, aus einem Artikel von meinem guten Bekannten Herrn Prof. Dr. Michael Stürmer, Historiker und Chefkorrespondent der Zeitung DIE WELT, zu zitieren.
Er schrieb: „Die Erfahrung lehrt, mit Russland ist es schwierig. Aber ohne Russland wäre es noch schwieriger". Zwar bin ich nicht mit allen Schattierungen dieser Aussage einverstanden. Aber im Grundsatz sind wir uns einig.

 

 

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